Utopie oder Dystopie? Die digitale Transformation hat ein solches Tempo angenommen, dass alles möglich scheint. In 80 Talks und 15 Panels versuchte die Tech-Conference 12hrs.us Ende Juni die Vielfalt dieser Möglichkeiten auszuloten. Unter den Speakern: Dr. Michael Müller-Wünsch, Bereichsvorstand Technology bei der Otto GmbH und Co KG. Initiator Oliver Rößling, Erfinder des Meetup-Formats 12min.me, hatte sich entschlossen die Konferenz komplett in englischer Sprache stattfinden zu lassen, um einen internationalen Austausch zu befördern. Hamburg News hat nachgefragt wie „MüWü“ – so das Kürzel, unter dem der Manager bekannt ist – diesen Ansatz findet.
Hamburg News: Warum brauchen wir Events wie 12hrs.us?
Müller-Wünsch: Ich bin davon beseelt, Deutschland im Ausland stärker als einen Digitalstandort bekannt zu machen, der alle nötigen Kompetenzen für eine erfolgreiche Zukunft mitbringt. Und 12hrs.us zielt in dieselbe Richtung.
Hamburg News: Alles dreht sich aktuell um den digitalen Wandel und Innovationsfähigkeit. Was bedeutet Innovation für Sie persönlich?
Müller-Wünsch: Dinge überraschend besser zu machen.
Hamburg News: Und Technologie macht Dinge besser?
Müller-Wünsch: Ich bin davon überzeugt, Technologie verbessert unser Leben und erweitert unsere Möglichkeiten. Ich glaube zum Beispiel, dass Audio in vielen Bereichen der nächste Level der Interaktion sein wird.
Hamburg News: Wie weit ist die Bereitschaft zu einem echten digitalen Wandel in der Hamburger Wirtschaft inzwischen verankert?
Müller-Wünsch: Die nötige Aufgeschlossenheit ist vorhanden, wir haben kein Erkenntnisproblem. Allerdings suchen momentan alle nach dem heiligen Kochrezept. Das gibt es aber nicht. Wir brauchen also mehr Mut, einfach loszulegen.
Hamburg News: Und wie lässt sich dieser Mut entwickeln?
Müller-Wünsch: Indem wir unsere Stärken kennen. Mut entsteht, wenn ich weiß, welchen meiner Fähigkeiten ich vertrauen kann.
Hamburg News: Was braucht Hamburg, um noch innovationsfreundlicher zu werden…
Müller-Wünsch: Die Stadt könnte die finanziellen Rahmenbedingungen verbessern. Wer ins Risiko geht, könnte steuerlich unterstützt werden.
Hamburg News: …und wo sehen Sie schon gute Ansätze?
Müller-Wünsch: Der Start von ahoi.digital Ende 2017 war ein vielversprechender Nukleus. In der Regel dauert es dann drei bis fünf Jahre, bis sich das Potential voll entwickelt und eine fundierte Infrastruktur mit vielfältigen Kontakten zwischen Wirtschaft und Wissenschaft entsteht. Das erzeugt ein tragfähiges Fundament für die Zukunft. Denn wir brauchen Kraft, um im digitalen Muskelspiel zu bestehen.
Das Interview führte Yvonne Scheller
Quellen und weitere Informationen
Dr. Michael Müller-Wünsch
Dr. Michael Müller-Wünsch, Jahrgang 1961 und gebürtig aus Berlin, hat zum Thema künstliche Intelligenz promoviert und startete zunächst in eine wissenschaftliche Laufbahn. 1996 wechselte er in die Wirtschaft, übernahm Führungspositionen in Unternehmen wie Herlitz, myToys.de oder Lekkerland, bevor er im Sommer 2015 die eigens für ihn geschaffene Position Otto-Bereichsvorstand Technology (CIO) antrat. Vor zwei Jahren ehrte ihn die Jury des “CIO des Jahres 2017” mit dem Sonderpreis “Innovation Award”.