Kreativwirtschaft

Medien- und Digitalbranche: 5 Trends, die 2024 bestimmen

9. Januar 2024
Was erwartet Anbieter:innen und Nutzer:innen im neuen Jahr? 20 Expert:innen teilen ihre Zukunftsprognosen. Ein Überblick

Alle Jahre wieder veröffentlicht die Standortinitiative nextMedia.Hamburg Trendprognosen für die Medien- und Digitalbranche. Dieses Mal werfen 20 Expert:innen aus dem nextMedia-Netzwerk einen Blick ins neue Jahr 2024. Das alles bestimmende Thema ist erneut künstliche Intelligenz (KI) und synthetische Medien. Hamburg News hat hierzu die 5 wichtigsten Trends für die Medienbranche zusammengefasst.

1. Journalismus – personalisierter, regionalisierter und effizienter

„KI-Tools werden uns zunehmend unterstützen und uns somit erlauben, unsere Inhalte mit einem Klick auf unterschiedliche User-Bedürfnisse zuzuschneiden – indem zum Beispiel unterschiedliche Textvarianten erstellt oder der Inhalt in ein passendes Video gegossen wird“, ist Anja Behrend, Datenjournalistin im NDR-Data-Team des Norddeutschen Rundfunks, überzeugt. Journalistische Erzeugnisse würden zudem personalisierter und regionalisierter werden, unterstützt von KI: zum Beispiel beim Auffinden wichtiger Dateninformationen, Konzipieren, Schreiben oder bei der Titelfindung eines Beitrags. Behrend weist hier allerdings auf die Problematik KI-generierter Bilder und Videos hin, welche die Frage aufwerfen: Was ist Fakt, was Fake? Dass generative AI wie GPTs und DALL-E den Menschen jedoch nicht ersetzen sondern unterstützen werde, davon geht Robin Friese, Team Lead Data Science bei der Bauer Media Group, aus. „Genauso wie menschliches Feedback in die Modelle selbst eingebaut ist, wird es auch benötigt werden, um automatisiert generierten Content zu validieren und zu veredeln.“ Die (Teil-)Automatisierung einzelner Arbeitsschritte lasse 2024 die Contenterstellung im Publishing-Bereich effizienter werden, einen echten Game Changer sehe er jedoch aktuell nicht.

2. Web – nachhaltige Bereicherung für digitales Arbeiten

Auch im Web würden laut Wiebke Nadzeika, Co-Founder und CEO des Travel-Guide-Anbieters one Guide, personalisierte Suchmaschinen und Chatbots die Benutzererfahrung optimieren sowie KI-gesteuerte Contenterstellung das Angebot im Internet vergrößern. Allerdings gehe dies zunehmend auf Kosten von Glaubwürdigkeit und eröffne Fragen hinsichtlich der Urheberrechte von Inhalten, gibt Nadzeika zu Bedenken. Zudem würden personalisierte Services weitere Fragen zu Datenschutz und Privatsphäre aufwerfen. „Kreative KI-Anwendungen werden das digitale Arbeiten nachhaltig bereichern, gleichzeitig entsteht die Gefahr neuer Abhängigkeiten und Authentizitätsverlust.“

3. Gaming und XR – einfacher und zugänglicher

Neuen Schub durch KI prognostiziert Marie Kilg, freie Journalistin und Innovationsmanagerin im Deutsche Welle Lab, für Gaming und Extended Reality. Neue KI-Fähigkeiten würden Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) einfacher und zugänglicher machen. „KI kann schon jetzt auf Basis von Text 3D-Modelle erstellen oder Charaktere in Spielwelten dynamischer machen“, erklärt Kilg. Medienunternehmen in Deutschland würden virtuelle ‚Welten allerdings noch zu wenig beachten, obwohl dort schon viele Nutzende zu finden seien, insbesondere junge und damit die Nachrichtenkonsument:innen von morgen.

4. Book Publishing – KI für die gesamte Wertschöpfungskette prägend

Dass Book Publishing in 2024 stark von künstlicher Intelligenz geprägt sein wird, und zwar über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg, ist Markus Dömer, Leiter Business Development beim Carlsen Verlag, überzeugt. Marketing und Vertrieb würden durch KI effizienter, weil die entsprechenden Tools benutzerfreundlicher bzw. in bestehende Standardprogramme eingebettet würden. Die Kunst werde darin liegen, eine unverwechselbare Markenidentität in der Kommunikation zu entwickeln. Intuitive KI-Tools würden mehr und mehr in den Workflow von Autoren und Illustratoren integriert und bei der Erstellung von Geschichten in Text- und/oder Bildform eingesetzt werden.

5. Musikbranche – neue Zugänge zur Musik

„Musik war noch nie so allgegenwärtig und vielfältig wie heute“, betont Musicube-Mitgründerin Agnes Chung. Damit sich das für die Künstler:innen und Kreativen auch lohne, müsse jedoch weiterhin über faire rechtliche Strukturen und mehr Transparenz bei Daten und Urheberrechte diskutiert werden. Darüber hinaus sei generative KI für die Musikbranche auch 2024 eine Herausforderung. Neue Technologien und verbesserte Features hätten Auswirkungen darauf, wie Musik geschaffen, konsumiert und entdeckt wird – von Virtual-Reality-Konzerten bis hin zur KI-gestützten Musikproduktion oder Stimmnachbildungen. „Die traditionelle Herangehensweise an Musik wird in Frage gestellt, aber es ermöglicht auch neue Zugänge zur Musik und die Chance auf eine gerechte und diverse Musiklandschaft“, so Chungs Prognose.

Wo steuert die Media- und Contentbranche 2024 hin?

„Generative KI wird in 2024 großflächig Verbreitung erfahren“, prognostiziert Holger Volland, Vorstandsvorsitzender der Brand Eins Medien AG. Synthetische Inhalte zu produzieren werde zum Standard und kinderleicht, da sie Bestandteil in Office- und Produktivitätssoftware, Tools für Digital Advertising oder für Social-Media-Content sind. Viele Jobs würden dadurch effizienter. Parallel dazu würde die Menge an Texten, Videos, Posts, Podcasts, Bildern, Grafiken, Präsentation, Websites und anderem digitalen Content extrem wachsen. „Der Kampf um Aufmerksamkeit wird noch gnadenloser. Wir alle werden uns häufig die Frage nach Authentizität, Quellensicherheit oder Relevanz von Inhalten stellen“, so Volland. Traditionsmedien würden in dieser Inhaltsflut mit ihrer Marke einen wichtigen Orientierungspunkt bilden. Weitere Trendthemen, die das Medienjahr 2024 bestimmen werden, ist laut nextMedia.Hamburg die Globalisierung der Creator Community, der mögliche Start des Metaverse abseits von Hype-Versprechungen, die ungewisse Zukunft des Podcast-Mediums, die Zukunft von Digital-Out-of-Home-Werbung als nachhaltiger Branchenanführer, Programmatic TV, Hyper-Personalisierung und die besondere Relevanz von Tiktok für etablierte, journalistische Qualitätsmedien.
mm/sb

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